Monatsarchiv: August 2011

Mission accomplished …

noch nicht ganz 😉

Meine Frau und meine Kinder konnte ich bereits am Freitag Nachmittag in die Arme schliessen und gemeinsam haben wir einen sehr schönen Tag in Neustadt verbracht. Während meine Frau mit unserem jüngsten dann abends wieder nach Hause fuhr, verbrachten mein großer Sohn und ich wie geplant einen letzten Abend an Bord um am kommenden Tag gemeinsam die letzten Etappe in meinen Heimathafen zu segeln.

Am Samstag früh erklingt aus dem I Phone Nana Mouskouri´s  Hit „Guten Morgen Sonnenschein“ – was für uns bedeutet : aufstehen, auch wenn der Tag nach allem anderen als Sonnenschein aussieht 😉 Gegen 8.00 Uhr ging es erst einmal in den Neustädter Rundhafen, wo Thomas und seine Crew von der Schnussi III auf uns warteten um uns zu einem lecker Frühstück, das letzte auf dieser Reise, zu begrüßen.

Das Frühstück auf der Schnussi III tat sehr gut und anschliessend ging es dann auch los. Bei raumen Winden um die 14 – 17 Knoten Wind ging es direkten Kurs Travemünde. Magda, Dietmar, Thomas und Nils kamen uns bereits unmittelbar an der Ansteuertonne Neustadt mit der Felja Finn entgegen und haben uns den gesamten Weg begleitet. Leider war diese letzte Etappe von einem ekelhaften Sprühregen begleitet sehr feucht, umso besser jedoch das ich für diese letzte Etappe meinen Sohn als Steuermann hatte und mich so sehr entspannt Travemuünde entgegen segeln lassen konnte 😉

Gegen 12.00 Uhr kam uns dann auch noch Tom mit seiner Pangea, einer Alpha 32, entgegen und begleitete uns ebenfalls auf den letzten Metern 😀 Die Freude ist sehr groß als wir die Travemünder Mole passieren und ich hier nach fünf Monaten und 3500 NM meinen Ausgangskurs kreuze. Freudentränen laufen über meine Wangen und ich denke an die vielen tollen Erlebnisse, die netten Menschen die mir begegnet sind, die vielen Unwegbarkeiten die mir auf meiner Reise passiert sind, die unbequemen Wege die ich teilweise gegangen bin, die einsamen Entscheidungen die ich treffen musste und die Grenzen, welche ich immer wieder überwinden musste. Es sind Freudentränen und – einen Moment halte ich inne !

Die Freude über unseren Empfang ist riesig, auf der Pier des Fischereihafens warten neben Familie und Freunden auch einige Vertreter der regionalen Presse und einige Vereinskameraden um mich im mittlerweile strömenden Regen willkommen zu heissen.

Nach einigen Interviews und einem kurzen Aufklaren der jolågo ging es dann auch prompt nach Hause, wo meine Frau eine tolle Willkommensparty mit unserer Familie, Nachbarn und den engsten Freunden organisiert hat. Pünktlich zum Beginn der Party kommt die Sonne raus und es herrscht bestes Wetter 😀

Nun sind einige Tage vergangen und ich merke, dass ich zwar körperlich anwesend bin, mein Geist sich jedoch noch irgendwo draussen auf unserer Ostsee befindet. Ein Sprichwort der Indianer sagt :

„Der Körper reist schneller als der Geist“

Nach dieser Reise kann ich das nur bestätigen !

Die letzten Tage habe ich damit verbracht, jolågo von allem Reiseballast zu befreien, Rettungsinsel runter, Klamotten raus, Lebensmittel raus, Hochsee Equipment demontieren usw… Schliesslich wollen wir am Samstag noch die Gemeinschaftswettfahrt der Travevereine segeln 😉

Was wird jetzt aus dieser Seite ?

Ich werde diese Seite weiter pflegen ! Es wird Infos zu meinen Vorträgen geben, ich werde über meine Gefühle und Erfahrungen des wieder einlebens und auch über meine künftigen Törns auf der Ostsee werde ich berichten.

Das nächste Projekt ist bereis in meinem Kopf und St Petersburg steht auch noch auf dem Plan ! Es bleibt also spannend 😉

Bis dahin möchte ich mich noch bei allen Lesern für die netten Mails und die vielen motivierenden Worte, insbesondere in den letzten Tagen, bedanken und freue mich den einen oder anderen von euch auf einen meiner künftigen Vorträge persönlich kennen zu lernen.

Handbreit, fair winds und am Samstag hoffentlich eine gute Platzierung 😉

jolågo und Ingo

heimwärts…

und das in einem sehr kleinen step 😉

Seit gestern liege ich in Grömitz, genieße das herrliche Wetter, lasse die letztem Monate Revue passieren und bin voller Vorfreude auf meine Familie und Freunde. Gedanken über die jeweilige Veränderung werden wach : Wie werden wir wieder miteinander klarkommen ? Haben wir uns verändert ? Wie schnell komme ich wieder in meinen normalen Rhythmus ? und und und…

Da kommt es ganz gelegen, dass mein Segelfreund Max am Nachmittag an Deck klopft und mich etwas ablenkt. Max segelt ebenfalls ein IF Boot und ist voller Interesse für meine Reise und die jeweiligen Abenteuer. Gegen 17.00 Uhr muss ich ihn dann jedoch kurz verlassen, da der NDR mich gebeten hat für ein Interview zur Verfügung zu stehen.

Dieses könnt ihr heute Abend zwischen 21.00 und 22.00 Uhr in der NDR 1 Welle Nord Sendung von Binnenland und Waterkant hören. Für alle die es versäumen werde ich dieses Interview nach Erhalt vom NDR hier als MP3 zur Verfügung stellen.

Überhaupt waren die letzten Tage sehr abwechslungsreich. Anstatt gemütlich an Deck zu sitzen und ein Buch zu lesen, werde ich immer wieder von Seglern auf meine Reise, mein Schiff, meinen Blog und meine Abenteuer angesprochen. Das ganze hat zur Folge, dass ich in einer Woche gerade mal 120 Seiten von meinem Håkan Nesser Krimi gelesen habe 😉 Aber es macht mir riesigen Spaß das Erlebte jetzt aktiv teilen zu können !

Morgen werde ich Grömitz dann doch verlassen und nach Neustadt segeln. Der Hintergrund ist recht einfach.  Meine Familie und ich werden uns morgen nach fünf Monaten wieder sehen und in die Arme schliessen. Den morgigen Nachmittag wollen wir dann gemeinsam und nur unter uns verbringen ! Der Samstag wird eher turbulent und da meine Frau eine Willkommens Party organisiert hat bleibt an diesem Tag wenig Zeit für uns. Daher werde ich den letzten Tag meiner Frau und meinen beiden Kindern widmen.

Samstag gegen 9.00 Uhr werde ich dann gemeinsam mit meinem Sohn auf die letzte Etappe von Neustadt nach Travemünde gehen. Ziel ist es gegen 12.00 Uhr durch die Mole in Travemünde und dann direkt zum Fischereihafen zu segeln.

Alle die mich auf dieser letzten Etappe auf eigenen Kiel begleiten, haben dann die Möglichkeit im Fischereihafen längsseits an der Nautilus festzumachen. Der Hafenmeister ist informiert und hält diesen Platz für euch frei.

Ich freue mich sehr auf zuhause und darauf euch alle wieder zu sehen ! Die letzten Monate waren eine tolle Zeit, geprägt von einigen Tiefschlägen aber auch geprägt von sehr vielen tollen Erlebnissen, neuen Freundschaften, netten Menschen und immer wieder einem hohen Mass an Überwindung des inneren Schweinehundes.

Fair winds und handbreit

jolågo und Ingo

meine letzte Insel..

… auf meiner Reise ist die Sonneninsel Fehmarn, daher Adios Schlei und willkommen in Orth auf Fehmarn.

Die Schlei, auch wenn ich erst zweimal hier gesegelt bin, ist für mich eines der schönsten deutschen Reviere. Abwechslungsreich, seglerisch und navigatorisch anspruchsvoll, tolle Ankerbuchten und sehr viele schöne Häfen. Von Kappeln ging es Schleieinwärts, Richtung Missunde ein toller Hafen der sich an einem langgezogenen Steg inmitten wundervoller Natur am Ufer schlängelt. Gegen Abend kommen Bastian mit Tadorna und Yul mit seinem Folkeboot nach Missunde gesegelt. jolågo und ich segeln den beiden entgegen und so gibt es ein erstes Wiedersehen bereits in tiefster Dunkelheit auf der großen Breite, anstelle eines Handschlags wanderte  jedoch erstmal ein Flens von Tadorna auf die jolågo 😉

Wir vergleichen einige Optimierungen an unseren Booten und ich schaue mir ausgiebig Tadorna und die einzelnen Komponenten an, bevor wir am kommenden Tag gemeinsam nach Arnis segeln.

Der Wind ist sehr fair und einzelne Drücker erreichen die 30 Knoten, beide Schiffe sind fast gleich schnell und so schiessen wir gegenseitig einige Fotos, quatschen etwas und geniessen dieses herrliche Segeln.

Tadorna sieht gut aus und man sieht ihr nach dem Refit die Strapazen der letzten Reise nicht mehr an.  Wir stoßen in Arnis dann auf meine Rückkehr und Bastians neues Abenteuer an. Unter dem Motto: Tadorna – Status gefährlich lenzen wir fast eine Flasche besten Sherry 😉 den Bastian mir zu meiner Abfahrt geschenkt hatte…

Der Abend endet gegen 2.00 Uhr und so wird die Nacht für mich recht kurz, denn um 7.00 Uhr klingelt mein Wecker… Der Westwind will genutzt werden um nach Fehmarn zu segeln und da der Wind in den kommenden Tagen dreht und ich keine Lust auf eine so lange kreuz habe, fällt die Wahl leicht 😉

Bastian und ich verabschieden uns, er hat ohnehin noch letzte Vorbereitungen zu treffen und ich kenne das, da will man lieber allein sein um alles im Blick zu haben.

Um 8.15 Uhr werfe ich die leinen los und motore bis zur Brücke in Kappeln, welche ich pünktlich zur Öffnung erreiche. Segel hoch und in aller Ruhe raus aus der Schlei, direkter Kurs Fehmarn.

Die gut 50 NM bringen jolågo und ich im guten 10 Stunden ins Kielwasser. Es herrscht Spikurs und der Wind weht anfangs mit moderaten 17 Knoten, später abnehmend auf 3 Knoten aus WSW Richtung. Es ist ein schöner Segeltag denn neben diesen fairen Wind scheint die Sonne und hinter der Ansteuertonne Kiel habe ich sogar die Chance eine Mütze Schlaf zu finden und die kurze Nacht etwas zu kompensieren 😉

Der Orther Hafen ist ( wie immer am Wochenende ) knallvoll und so finde ich einen Platz im Päckchen, direkt neben dem Piratennest…

Von hier ist es nur noch ein Katzensprung nach Hause und meine Reise neigt sich jetzt zügig dem Ende. In meinen Heimathafen sind es lediglich 40 NM, dennoch werde ich erst kommenden Samstag, den 27. August gegen 12.00 Uhr in Travemünde einlaufen. Die letzte Woche werde ich nutzen um mich mit Freunden und Bekannten in Heiligenhafen, Burg und last but not least am Freitag Abend in Grömitz zu treffen. Am Freitag findet in Grömitz Ostsee in Flammen statt und neben der Tatsache, daß mein Sohn mich von Grömitz nach Travemünde begleiten wird, denke ich Ostsee in Flammen ist ein toller Abschluss für meine Tour allein rund ostsee 2011 !

Für mich steht jetzt die Wahnsinns Entfernung von 5 NM nach Heiligenhafen an 😉 bei dem Wetter mit Sicherheit ne nette Kreuz !

Handbreit und fair winds

jolågo und Ingo

mit aller Ruhe…

… viel Wind und noch mehr Regen in der dänischen Südsee.

Nachdem der schreckliche Sven, das riesige Tief, uns verlassen hat, folgte ein Regenguss nach dem anderen. Meine Freunde von der Felja Fin haben sich bereits durch die Unwetterfront hindurch auf den Heimweg gemacht. Für mich gab es keinen Grund zum Risiko und so bin ich noch zwei weitere Tage in Ærosköbing geblieben.

Für mich blieb daher trotz des Regens viel Zeit, diese wundervolle Insel mal etwas näher und ausgiebiger zu erkunden.

Am morgen treffe ich ( ausgerechnet auf der Toilette vom Hafen ) Axel, er ist mit seiner Freundin und seinem Schiff, einer Dehler Optima 92 – Imagine -, unterwegs um Urlaub zu machen… Das ganze ist schon recht lustig, denn Axel war bei meiner Verabschiedung in Travemünde dabei und so ist die Freude umso größer !

Der regnerische Tag wird daher bei einigen Geschichten zu meiner Reise auf der Imagine verbracht. Trotz eines ebenso langen und mit GT auch feuchtfröhlichen Abend war meine letzte Nacht in Ærosköbing recht erbärmlich. jolågo lag in der zweiten Box, direkt in der Hafeneinfahrt und der Wind drehte über Nacht auf Nord / Ost und frischte ( mal wieder ) auf. Die Wellen klatschten in der Nacht nur so an die Backbordseite und ein erbärmliches Schaukeln machte sämtliche Schlafversuche zu nichte 😦

Daher wurde am kommenden morgen, nach kurzer Verabschiedung von Jule und Axel abgelegt. Kurs Nordwest, nach Faaborg.

Die gut 15 NM ließen wir bei konstanten 17 Knoten Wind aus nordöstlicher Richtung in weniger als drei Stunden im Kielwasser. Herrliches Segeln, einzig dieser furchtbare Regen, der im Laufe des Tages auf Sprühregen übergegangen ist hat diese Etappe etwas getrübt.

Faaborg ist eine hübsche kleine Stadt und ich nutze die zwei Tage des schlechten Wetters um einige Arbeiten am Schiff zu erledigen, Pinnenausleger erneuern ( der alte ist gebrochen ) , einige Schoten die schamfilt haben austauschen, Barberholer für den Spi montieren und last but not least aufräumen und Wäsche waschen.

Kommt Zeit kommt Sonne 😉 und da war sie dann, endlich ! Daher lege ich von Faaborg ab und lasse mich mit Wind und Wetter nach Süden treiben, ohne vorher definiertes Ziel. Es wurde dann wieder Ærö, diesmal jedoch Søby an der Nordwest Seite der Insel, ein Hafen den ich immer an BB oder STB hab liegen lassen. Ein Hafen der wunderschön ist, ohne Hafengeld Automat, vielmehr kommt hier der witzige Hafenmeister morgens und abends persönlich vorbei und kassiert mit sehr viel Witz und noch mehr Zeit die Liegegebühr 😉

Am benachbartem Kommunalhafen dominiert eine Werft und ein Motorenbetrieb das Geschehen, alle paar Stunden laufen die Fähren ein und so herrscht hier ein tolles und sehr triebsames Flair . Der Tag wird für einen Spaziergang in den Ort genutzt.

Es geht vorbei an den typisch dänischen Häusern, bis ich an einem Hügel vor einer alten und sehr liebevoll restaurierten Mühle stehe.

Auffällig ist, dass sämtliche Grünflächen und öffentliche Plätze sehr gepflegt sind und so bereitet es mir eine große Freude, hier mit aller Ruhe und ohne Zeitdruck herum zu schlendern. Mitten in Søby steht eine sehr hübsche Kirche, laut Infobroschüre ist es die älteste Kirche im fünischen Inselmeer und eine der ältesten Dänemarks.

Im Innern der Kirche ist der Bezug zur Seefahrt unverkennbar, es hängen einige wundervolle Schiffsmodelle an der Kirchendecke und auch die Bilder zeigen Schauspiele auf See.

Am Abend schlender ich noch etwas über die Stege und mache einige Fotos von der umliegenden Landschaft. An meinem Steg liegt ein sehr liebevoll restauriertes Holzschiff, auf den ersten Blick würde ich es als Zeesenboot klassifizieren, der zweite Blick jedoch lässt einige Zweifel aufkommen… Nicht nur mir geht es so sondern auch einem Paar das sich dieses Boot ansieht. Wir kommen ins Gespräch und als ich dann sagte das schönste Schiff hier im Hafen ist der 50er Spitzgatter am nächsten Steg, folgte eine prompte Einladung an Bord. Die beiden sind die Eigner dieses wunderbaren Schiffs und wir verbringen einen sehr netten Abend bei Campari O und einer eigenen Kreation Tee mit Rum 😉 Dabei lerne ich einiges über diese historischen Spitzgatter und das 1936 gebaute Boot erzählt uns im knarzenden Gebälk einige Geschichten aus der Vergangenheit 😉

Am kommenden Morgen werfe ich um 9.00 Uhr die Leinen los und nehme Kurs Deutschland, in die Schlei – nach Kappeln. Der Stadthafen ist knallevoll und ich ergatter den letzten Platz, direkt neben der Taifun, dem Schulschiff der Marineschule Mürvik. Die Hilfe der Offiziersanwärter kommt gut bei der mit rund 1,5 Knoten vorherrschenden Strömung.

Hier möchte ich mich mit Bastian und seiner Tadorna treffen um beide zu verabschieden. Für die beiden geht es in den nächsten Tagen von hier Richtung Nordkap. Ein neues Abenteuer auf der Tadorna wartet .

So, die Sonne will jetzt genutzt werden und daher

Genua raus und einen ordentlichen Schrick in die Schot

jolågo und Ingo

geniales segeln im kleinen Belt…

… mit durchschnittlich 6,2 Knoten passiere ich den westlichsten Punkt meiner Reise – von Aerosund nach Ærosköbing.

Der Hafen in Juelsminde war trotz der Tatsache für mich als Nothafen ausgewählt zu werden sehr nett. Alles war fussläufig und der neue Teil des Hafens angenehm und sehr hübsch. Für mich sollte es jedoch weiter gehen, nach Aerosund. Gegen 6.00 Uhr klingelt daher der Wecker und kurz danach werfe ich die Leinen los, um die gut 36 NM ins Kielwasser der jolågo zu bringen.

Der Wind kam mit anfangs ganzen 2 Knoten aus südwestlicher Richtung, daher bin ich die ersten Meilen motort, konnte jedoch ab Middelfart mit Winden um die 12 Knoten hervorragend segeln.

Der kleine Belt ist ( genau wie das Wetter an diesem Tag ) herrlich, er erinnert mich zeitweise etwas an den Norrevikken, den nördlichen Bereich des bottnischen Meerbusen. Einziger Unterschied sind die Sandstrände und unzähligen Tümmler, die ich übrigens seit dem Öresund täglich sehe.

Gegen 15.00 Uhr erreiche ich den Hafen von Aerosund. Zeitgleich mit mir treffen meine Travemünder Freunde mit ihrer Felja Finn, einer wundervollen, Ketsch getakelten, englischen Yacht ein.

Geniales Timing und sehr große Freude, nach 4,5 Monaten treffen wir uns ausgerechnet im kleinen Belt wieder 😉 Es gibt viel zu erzählen und so verbringen wir einen sehr netten und noch viel längeren Abend bei gutem Essen und anschliessend noch besserem Wein an Bord der Felja Finn. Der nächste Morgen wartet mit süwestlichen Winden um die 24 Knoten, in Böen bis 33. Daher geniesse ich die Einladung zu einem sehr ausgedehnten Frühstück auf der Felja Finn, bevor wir uns an die Planung einer gemeinsamen Etappe machen.

Jan ist der jüngste deutsche IF-Boot Segler und mit seinen 13 Jahren stolzer Besitzer der N-Joy ( IF – 2227). Da Jan die meiste Zeit im holländischen Binnenrevier segelt ist er ganz scharf darauf, die anstehende Etappe auf der jolågo mit zu segeln.

Unser Ziel, das rund 33 Meilen entfernte Ærosköbing. Da der Wind weiterhin mit Böen um die 33 Knoten pustet, setzen wir die Segel im ersten Reff.

jolågo schiesst nur so durch die Wellen und bei einem Schnitt von 6,2 Knoten Speed bringen wir die vor uns liegende Strecke in weniger als 5 1/2 Stunden ins Kielwasser.

Jan ist überglücklich und freut sich schon auf die kommende Saison, denn dann liegt seine N-Joy in Travemünde.  Ich denke, er wird mir dann gemeinsam mit meinen Jungs zeigen, wer der der schnellere Segler ist 😉

Diese Etappe hat riesigen Spaß gemacht, gemeinsam sind wir die gesamte Strecke mit der Felja Finn als Flotille gesegelt. Einzig kurz vor Ærosköbing wurde Dietmars Ehrgeiz gepackt, als die Vanity ( ein dänischer Zwölfer ) lediglich unter Genua an der Felja Finn vorbeizog musste er versuchen mitzuhalten… Der Vorteil für uns, die Annahme der Leinen im Hafen war uns sicher 😉

Gestern Abend kam noch ein weiteres IF Boot in den Hafen, zwei Mädels aus Kopenhagen. Als die beiden interessiert an meinem Boot standen, haben wir sie spontan zu einem Drink auf die Felja Finn eingeladen.

Mutig, die beiden Mädels sind lediglich mit einem Übersegler von Kopenhagen bis Flensburg unterwegs und unterwegs schon einige Male vom eigentlichen Weg abgekommen… der knappe Kommentar : „aber irgendwie kommen wir doch immer an“ – Nix für mich…

Eigentlich sollte es dann heute früh weitergehen, für mich in Richtung Fünens Süden und für die Felja Finn Richtung Travemünde. Der schreckliche Sven ( das Tief über dem Norden ) hatte jedoch anderes vorgesehen… Der Wind hat über Nacht aufgefrischt und die Böen knallen mit teilweise mehr als 40 Knoten über unsere Masten hinweg. Zu allem Übel ist das Wasser im Hafen dann auch noch um einen Meter gefallen und bei nunmehr 1,5 m Wassertiefe stecken neben der Felja Finn noch einige weitere Yachten im Schlick der Ærosköbinger Hafen fest 😦

Um es mit den Worten der heutigen Jugend auszudrücken : Es wird ein chilliger Hafentag – und ich denke das ich erst Morgen Nachmittag oder Donnerstag früh weiter segel.

Dann hoffen wir mal auf besseres Wetter und bis dahin…

…Reffen und Traveller nach Lee

jolågo und Ingo

Samsø mit viel Wind und noch mehr Strömung…

… das Fazit waren drei eingewehte, jedoch wundervolle Tage auf dieser herrlichen Insel.

Nachdem ich Schweden für diese Reise den Rücken gekehrt habe bin ich bei moderaten Winden aus NNW Richtung die knapp 43 Meilen nach Odden gesegelt. Nach anfänglichem Nebel und sehr diesigen Wetter passiere ich die viel befahrene Fahrrinne des Öresund, ohne dabei ein Auge vom AIS zu lassen 😉 Kaum erreiche ich Dänemark, klart es auf und das Wetter wird immer schöner. Odden ist ein sehr kleiner und gemütlicher Hafen auf der Sjelland Odde, einer weit ins Meer laufenden Sandbank. Der Hafen besticht insbesondere durch seine extrem hohe Kaimauer, diese zeigt, welche Gewalt vom Kattegat ausgehen kann…

Nach einer kurzen Nacht geht es am Dienstag früh gleich weiter. Mein Ziel Samsø, genauer gesagt der Hafen Langør in der mittleren Lagune der Insel. Ich verlasse Odden in nördliche Richtung und halte mich sehr nah unter Land. Der Hintergrund liegt in der Tatsache, dass sich im Norden der Sjelland Odde ein militärisches Sperrgebiet befindet. Innerhalb des Sperrgebietes liegt eine sehr schmale Durchfahrt nach West und umgekehrt. Diese passiere ich und befinde mich im Samsøsund. Der Sund ist befahren wie eine Autobahn und im 1/2 Stundentakt queren die Schnellfähren mit einer Geschwindigkeit 37,5 Knoten meinen Weg.

Samsø´s Hafen Langør bietet ein wunderbares Panorama bei der Einfahrt in die Lagune und nach 31 NM liegt jolågo um 15.00 Uhr fest vertäut im inneren Becken.

Der Tag ist herrlich und der Nachmittag hat soeben erst begonnen, daher gehe ich an den Strand und nutze die Zeit um ausspannen, die Erlebnisse der letzten Wochen gedanklich zu sortieren und Revue passieren lassen. Es ist herrlich hier, der Hafen ist sehr belebt und alle paar Stunden legen die alten Fischkutter zu Ausflügen auf die Seehundbänke ab. Daher bleibe ich bis zur Dämmerung am Strand und geniesse das herrliche Wetter und das tolle Schauspiel der Abendsonne.

Der Mittwoch ist trotz bestem Wind und Wetter segelfrei, denn Irene und Knut wollen ebenfalls Langør anlaufen und so haben wir uns zum Grillen verabredet. Die beiden laufen gegen Mittag im Hafen ein und es gibt sehr viel zu erzählen. Im Vergleich zu mir haben die beiden den Rückweg von Göteborg über Leesö und dann über das dänische Festland gewählt. Es wir ein sehr wundervoller und langer Grillabend. Trotz des immer weiter zunehmenden Windes bleiben wir bis 22.30 Uhr am Strand, grillen und geniessen einen exzellenten Rot- und Weisswein…

Zurück am Schiff denke ich beim Anblick des neuen Nachbarschiffes „Hmm, komisch eine X79 mit einer Rollfock“. Bis es gegen 23.30 Uhr einen lauten Knall gibt und die besagte Fock wie wild bei 23 Knoten Wind im Hafen schlägt. Sehr schnell eilen einige ( meist dänische ) Segler herbei um zu helfen. Auf meine Frage das eine Rollfock einer X79 sehr ungewöhnlich sei kam als Antwort : „Es ist keine Rollfock, das Fall hat sich verklemmt“ Kurz entschlossen frage ich nach einem Bootsmannstuhl und bekomme einen von einem dänischen Segler. Gesichert geht es hoch in den Mast, das Fall wird geöffnet und die Fock rauscht nach unten. Herrliche Ruhe und ein leckeres „wohlverdientes“ Bier im innern der X mit Eigner Jan und seiner Freundin schmeckt doppelt gut 😉

Am nächsten morgen ist noch mehr Wind. Im Hafen messe ich 27 Knoten aus SO Richtung. Ganz zu schweigen von der Strömung… Einige wenige Segler legen unter Trisegel und Sturmfock ab, Termine… Ich bleibe ! Gemeinsam mit Irene und Knut erkunden wir die Insel, fahren mit dem Taxi nach Tranjeberg, schauen uns den Ort an und laufen dann über Felder und Wälder nach Ballen.

Unterwegs treffen wir einige Pferdewagen die auf der Insel vermietet werden. Mit denen kann man sich auf die alte traditionelle Art über die Feldwege ziehen lassen und an bestimmten Plätzen können Mensch und Pferde nächtigen, rasten, man kann grillen und und und… Eine tolle Idee die den Charme dieser Insel noch etwas untermauert !

In Ballen sind wir einstimmig der Meinung, dass dieser Hafen der eindeutig schönere und belebtere ist. Laut Reiseführer soll es hier eher unattraktiv sein, wir können dies jedoch nicht bestätigen.

Am Hafen geniessen wir ausgiebig den leckeren Fisch, Muscheln und einen riesigen Teller Scampi, philosophieren noch etwas über die verschiedenen Typen Segelboote im Hafen und planen eine kleine Regatta für den kommenden Tag 😉

Irene und Knut hat der Hafen Ballen jedoch so sehr gefallen, dass beide heute gleich hier herüber gesegelt sind 😉 Mein Weg jedoch ging weiter. Das eigentliche Ziel Bogense habe ich während der Etappe kurzerhand in Fredericia geändert allerdings… Ohne die Freigabe von Rasmus.

Dies hatte dann zur Folge, dass der Wind auf konstante 28 Knoten aus SW auffrischte und die Welle als erbärmliche Kreuzsee stand. Keine Chance, das Boot hat sich bei der Welle immer wieder festgestampft und daher bin ich nach Julesminde abgelaufen. Alles ging gut. jolågo liegt im sicheren Hafenbecken und hofft ebenso wie ich, dass die morgigen rund 30 Meilen nach Aarosund etwas ruhiger verlaufen werden.

In Aarosund werde ich morgen Freunde treffen und wir wollen gemeinsam nach Sonderburg runter segeln. Daher weiss ich noch nicht wie die Internetverfügbarkeit in den nächsten Tagen sein wird…

Bis dahin fair winds und Handbreit.

jolågo und Ingo

PS. Fotos der letzten Etappen folgen, sobald ich eine stabile und schnelle Internetverbindung habe.