Samsø mit viel Wind und noch mehr Strömung…

… das Fazit waren drei eingewehte, jedoch wundervolle Tage auf dieser herrlichen Insel.

Nachdem ich Schweden für diese Reise den Rücken gekehrt habe bin ich bei moderaten Winden aus NNW Richtung die knapp 43 Meilen nach Odden gesegelt. Nach anfänglichem Nebel und sehr diesigen Wetter passiere ich die viel befahrene Fahrrinne des Öresund, ohne dabei ein Auge vom AIS zu lassen 😉 Kaum erreiche ich Dänemark, klart es auf und das Wetter wird immer schöner. Odden ist ein sehr kleiner und gemütlicher Hafen auf der Sjelland Odde, einer weit ins Meer laufenden Sandbank. Der Hafen besticht insbesondere durch seine extrem hohe Kaimauer, diese zeigt, welche Gewalt vom Kattegat ausgehen kann…

Nach einer kurzen Nacht geht es am Dienstag früh gleich weiter. Mein Ziel Samsø, genauer gesagt der Hafen Langør in der mittleren Lagune der Insel. Ich verlasse Odden in nördliche Richtung und halte mich sehr nah unter Land. Der Hintergrund liegt in der Tatsache, dass sich im Norden der Sjelland Odde ein militärisches Sperrgebiet befindet. Innerhalb des Sperrgebietes liegt eine sehr schmale Durchfahrt nach West und umgekehrt. Diese passiere ich und befinde mich im Samsøsund. Der Sund ist befahren wie eine Autobahn und im 1/2 Stundentakt queren die Schnellfähren mit einer Geschwindigkeit 37,5 Knoten meinen Weg.

Samsø´s Hafen Langør bietet ein wunderbares Panorama bei der Einfahrt in die Lagune und nach 31 NM liegt jolågo um 15.00 Uhr fest vertäut im inneren Becken.

Der Tag ist herrlich und der Nachmittag hat soeben erst begonnen, daher gehe ich an den Strand und nutze die Zeit um ausspannen, die Erlebnisse der letzten Wochen gedanklich zu sortieren und Revue passieren lassen. Es ist herrlich hier, der Hafen ist sehr belebt und alle paar Stunden legen die alten Fischkutter zu Ausflügen auf die Seehundbänke ab. Daher bleibe ich bis zur Dämmerung am Strand und geniesse das herrliche Wetter und das tolle Schauspiel der Abendsonne.

Der Mittwoch ist trotz bestem Wind und Wetter segelfrei, denn Irene und Knut wollen ebenfalls Langør anlaufen und so haben wir uns zum Grillen verabredet. Die beiden laufen gegen Mittag im Hafen ein und es gibt sehr viel zu erzählen. Im Vergleich zu mir haben die beiden den Rückweg von Göteborg über Leesö und dann über das dänische Festland gewählt. Es wir ein sehr wundervoller und langer Grillabend. Trotz des immer weiter zunehmenden Windes bleiben wir bis 22.30 Uhr am Strand, grillen und geniessen einen exzellenten Rot- und Weisswein…

Zurück am Schiff denke ich beim Anblick des neuen Nachbarschiffes „Hmm, komisch eine X79 mit einer Rollfock“. Bis es gegen 23.30 Uhr einen lauten Knall gibt und die besagte Fock wie wild bei 23 Knoten Wind im Hafen schlägt. Sehr schnell eilen einige ( meist dänische ) Segler herbei um zu helfen. Auf meine Frage das eine Rollfock einer X79 sehr ungewöhnlich sei kam als Antwort : „Es ist keine Rollfock, das Fall hat sich verklemmt“ Kurz entschlossen frage ich nach einem Bootsmannstuhl und bekomme einen von einem dänischen Segler. Gesichert geht es hoch in den Mast, das Fall wird geöffnet und die Fock rauscht nach unten. Herrliche Ruhe und ein leckeres „wohlverdientes“ Bier im innern der X mit Eigner Jan und seiner Freundin schmeckt doppelt gut 😉

Am nächsten morgen ist noch mehr Wind. Im Hafen messe ich 27 Knoten aus SO Richtung. Ganz zu schweigen von der Strömung… Einige wenige Segler legen unter Trisegel und Sturmfock ab, Termine… Ich bleibe ! Gemeinsam mit Irene und Knut erkunden wir die Insel, fahren mit dem Taxi nach Tranjeberg, schauen uns den Ort an und laufen dann über Felder und Wälder nach Ballen.

Unterwegs treffen wir einige Pferdewagen die auf der Insel vermietet werden. Mit denen kann man sich auf die alte traditionelle Art über die Feldwege ziehen lassen und an bestimmten Plätzen können Mensch und Pferde nächtigen, rasten, man kann grillen und und und… Eine tolle Idee die den Charme dieser Insel noch etwas untermauert !

In Ballen sind wir einstimmig der Meinung, dass dieser Hafen der eindeutig schönere und belebtere ist. Laut Reiseführer soll es hier eher unattraktiv sein, wir können dies jedoch nicht bestätigen.

Am Hafen geniessen wir ausgiebig den leckeren Fisch, Muscheln und einen riesigen Teller Scampi, philosophieren noch etwas über die verschiedenen Typen Segelboote im Hafen und planen eine kleine Regatta für den kommenden Tag 😉

Irene und Knut hat der Hafen Ballen jedoch so sehr gefallen, dass beide heute gleich hier herüber gesegelt sind 😉 Mein Weg jedoch ging weiter. Das eigentliche Ziel Bogense habe ich während der Etappe kurzerhand in Fredericia geändert allerdings… Ohne die Freigabe von Rasmus.

Dies hatte dann zur Folge, dass der Wind auf konstante 28 Knoten aus SW auffrischte und die Welle als erbärmliche Kreuzsee stand. Keine Chance, das Boot hat sich bei der Welle immer wieder festgestampft und daher bin ich nach Julesminde abgelaufen. Alles ging gut. jolågo liegt im sicheren Hafenbecken und hofft ebenso wie ich, dass die morgigen rund 30 Meilen nach Aarosund etwas ruhiger verlaufen werden.

In Aarosund werde ich morgen Freunde treffen und wir wollen gemeinsam nach Sonderburg runter segeln. Daher weiss ich noch nicht wie die Internetverfügbarkeit in den nächsten Tagen sein wird…

Bis dahin fair winds und Handbreit.

jolågo und Ingo

PS. Fotos der letzten Etappen folgen, sobald ich eine stabile und schnelle Internetverbindung habe.

vier Stunden Spisegeln…

… auf der InFinit SWE1840 ( dem schnellsten IF-Boot aus Råå ) .

Adios Schweden hiess es am Donnerstag und willkommen in Dänemark, genauer gesagt auf Anholt. Um kurz nach sieben Uhr werfe ich auf Vrängö die Leinen los und es geht bei ziemlich bedecktem Wetter und nördlichen Winden um die 12 – 14 Knoten Kurs Anholt.

Rasmus zeigt sich gnädig und so brauche ich für die gut 58 NM quer durchs Kattegat lediglich knappe 10 Stunden. Die letzten Meilen ziehen sich etwas, denn im Nordwesten der Insel liegt ein ausgedehntes Flach, welches ziemlich weit ins Meer ragt und weiträumig umfahren werden will…  Wir sind zu dritt, eine X 99 zieht an uns vorbei und hinter mir kommt ein weiteres Boot, welches jedoch nicht näher kommt. Eine willkommene Abwechslung 😉 Der Hafen erwartet uns dann, wie soll es in der Saison auch anders sein, ziemlich überfüllt…

Am hintersten Steg findet sich jedoch eine Lücke am Ende des Steges und so mache ich vor Heckanker am Kopf des Steges fest. Das hinter mir segelnde Boot war die Comtessa 32 von meinen englischen Freunden aus Südafrika, die ich bereits im Götakanal kennengelernt habe – und so war die Freude über unser Wiedersehen sehr groß !

Es gibt viel zu erzählen und very British werde ich zu einem exzellenten Tee eingeladen 😀

Anholt ist wundervoll und in jedem Fall eine Reise auf eigenem Kiel wert. Trotz der Fülle im Hafen herrscht eine sehr angenehme und ausgelassene Stimmung und die Insel pulsiert förmlich. Die erste Nacht jedoch wurde etwas unruhig, da mein Heck nach Norden liegt und der Wind auf gut 23 Knoten auffrischte war es ziemlich unruhig 😦

Der nächste Tag wurde als Hafentag, zum ausspannen, Strand geniessen ( endlich mal wieder Sandstrand ) und einem ausgiebigen Spaziergang über dieses wundervolle Eiland mitten im Kattegat genutzt.

Am Nachmittag läuft eine weitere Einhand Yacht ein, es ist die alte TamTam, eine Albin Accent. An Bord Susanne, Lehrerin und für die kommenden 6 Wochen auf Tour in die Westschären. Diesmal war die Situation umgekehrt, habe ich in der Vergangenheit immer gute Tipps bekommen, so konnte ich diesmal einige Informationen zu Buchten, Häfen, Preisen, Ambiente und und und weitergeben. Der alte Eigner, Nico, hat mich dann am kommenden Tag erstmal auf facebook angemailt und berichtet, dass er von unserer Begegnung erfahren hat 😉 Die Welt ist eben doch ein Dorf !

Gestern dann wurden schon ziemlich früh Segel gesetzt, 6.50 Uhr und das mitten im übervollen Hafen von Anholt. Der Skipper einer etwas grösseren deutschen Yacht bekam schon ganz große Augen und ist sofort mit seinem größten Fender an die Bordwand gespurtet… Er kennt scheinbar nur Bugstrahlruder und kräftige Motoren 😉 Wir segeln mit Vollzeug und bei 17 Knoten Wind aus dem Hafen. Es ist herrliches Wetter und der Wind passt ebenfalls, mein Ziel : Schweden, genauer gesagt Höganäs. Ein Ort an der Nordspitze des Öresund. Der  Svenska IF båtfärbundet erwartet mich um einen gemeinsamen Abend mit einigen netten Themen zu meiner Reise, zu IF Booten und einem typisch schwedischen Essen an Bord zu geniessen. – Kein Surströmming, es wurde gegrillt !

Bereits im Kattegat werde ich dann von Johan erwartet. Er segelt die InFinit SWE1870, das schnellste IF Boot von Råå.

Der Abend war lang, das Essen sehr lecker, die Tipps zum Kappsegling sehr interessant ( ich habe einige Themen abgeguckt, fotografiert und gedanklich mitgenommen ) . Für das kommende Jahr haben wir mal angeregt, ein gemeinsames IF Treffen mit einer Regatta zwischen dem dänischen, schwedischen und deutschen Verband zu initiieren. Das Wetter heute früh ist klasse, eigentlich optimal um nach Sjeland rüber zu segeln, andererseits wollte ich die Tipps noch einmal life erleben und so habe ich Johan auf seinem Boot nach Råå, rund 18 NM südlich von Höganäs begleitet.

Eine klasse Segelpartie und mein bis dato längster Spikurs. Wir haben sehr fairen Wind, der über den Tag immer mehr zunimmt und extrem viel Spaß auf der InFinit !

@ Johan, tack för många tips regattan ! 😀 vi får se dig igen i Travemünde eller IF Båt möte.

Johan hat mich dann mit dem Auto nach Höganäs zurück gefahren, ziemlich ungewohnt, nach zwei Monaten mal wieder in einem Auto zu sitzen. Im Hafen ist tolle Musik zu hören, live, ein klasse Konzert. Lauter junge Leute singen Gospel und die Stimmung ist herrlich. Es ist die Elida, ein ca. 100 Fuss Segelschiff,

welches der schwedischen Kirche gehört und mit jungen Leuten gemäß dem Motto „sailing for Jesus Christ“ auf der Ostsee unterwegs ist und heute im Hafen von Höganäs festgemacht hat. Eine echt klasse Idee der Kirche, um jungen Leuten Anreiz zu bieten.


So, ich werde mich nun an meine Planung für die nächste Etappe machen. Nach zwei Monaten werde ich Schweden jetzt schweren Herzens verlassen und die nächste Zeit in Dänemark verbringen, bevor es Ende August nach Hause geht. Mein nächstes Ziel soll Odden sein.

In diesem Sinne, Medvind hela dagen

jolågo und Ingo

rund Orust…

… und dann in den Naturhafen Hättan Kärrsön.

Gestern früh bin ich bei sich besserndem Wetter um viertel vor neun von Smögen gestartet. Zwei Tage Party liegen hinter mir, zwei Tage feiern, sehr nette Menschen und einen Hafen der in der Tat als St. Tropez der Skandinavier beschrieben werden kann.

Das Wetter ist noch bewölkt, es soll jedoch auflockern und der Wind weht mehr oder weniger aus nordwestlicher Richtung. Es geht Richtung Lokskaren Fjord und dann über den Borgilefjorden in den Havtensfjord. Der Havtensfjord bildet das Fahrwasser rund Orust.

Insbesondere der Lokskaren Fjord hat es mir angetan, immer wieder windet sich dieser Fjord durch die mit Wald bis ans Ufer reichende Landschaft. Hindurch durch unzählige Untiefen und vorbei an Steinen und idyllischen Ankerplätzen, bietet dieser Fjord alles was die schwedische Landschaft zu bieten hat. Die erste Hälfte auf meiner Etappe rund Orust ist ein reiner Genuss und wir kommen sehr zügig voran. Mein eigentliches Ziel, Oxhamn – Naturhamn – , ist bereits kurz nach zwei erreicht und daher entscheide ich mich weiter zu segeln. Leider beginnt ab hier ein nicht so schönes Teilstück dieser Etappe. Es kommen weniger kleine Orte und der Ort Stenungsund dominiert das Bild mit einer riesigen Petrochemie Industrieanlage.

Danach öffnet sich der Fjord wieder und es kommen Inseln und vor mir erscheint mein Ziel : Hättan Kärrsön. Nach 51 NM im Kielwasser und über 3000 NM auf meiner Tour rund Ostsee mache ich jolågo mit Hilfe zweier deutscher H Boot Segler um 19.45 an der Schäre ohne Namen fest 😉

Die Bucht ist herrlich, ich bin total begeistert und die Stille ist der absolute Wahnsinn !

Neele und Ole, die beiden H Boot Segler, sind aus Kiel und mein erster Kommentar war : “ Endlich mal zwei echte Segler „. Die Antwort : „Das haben wir uns auch gesagt als du hier rein bist“

Der Hintergrund dieser Gedanken ist recht einfach, je grösser die Segelschiffe die in diesen Gewässern unterwegs sind, desto mehr wird der Motor genutzt und mit einem H- oder IF-Boot ist man mittlerweile die Ausnahme… Hinzu kommt die Tatsache, dass ca. 90% der Skipper den Begriff Ruder oder Pinne im Hafen nicht zu kennen scheinen. Da wird um in eine Box zu fahren nicht am Ruder gedreht oder die Pinne bewegt, nein das Bugstrahlruder auf Vollast und dann wird das schon…

Egal, wir stellen einige Gemeinsamkeiten fest und die Krönung ist, dass Neele´s Schwester IF-Boot Seglerin ist und wir uns vom IF-Boot Treffen 2010 in Lemkenhafen kennen.

Daraufhin wurde dann auch ein edler Tropfen, den ihre Schwester mitgegeben hat, geopfert und wir haben einen sehr schönen und sehr langen Abend an Bord der Long John verbracht 🙂

Der Abend war genial, die Wolkendecke war verschwunden und es herrschten lauschige Temperaturen.

Heute früh haben mir die beiden dann noch ihren Seekartensatz Rund um Fünen geborgt, da ich beschlossen habe die Ostsee komplett zu umrunden und mein Satz im warmen und trocknen Büro zu Hause liegt 😉

Meine heutige Etappe war mit rund 25 NM recht kurz und hat mich auf eine der vorgelagerten Inseln von Göteborg verschlagen. Vrängö heisst diese Insel und es ist herrlich hier ! Ein schöner Hafen wo sich die Einkaufsmöglichkeiten direkt im Hafen befinden, nettes Ambiente und herrliche Stimmung.

Das beste jedoch ist, das Wetter scheint die kommenden Tage mit nördlichen Winden stabil zu bleiben und Vrängö bietet mit einer Entfernung von rund 60 NM einen optimalen Absprunghafen nach Anholt. Mein morgiges Ziel !

Jetzt werde ich mich gleich noch an die Routenplanung machen und dann zeitig in die Koje, damit ich morgen recht früh los komme 😉

Bis dahin fair winds and no rain

jolågo und Ingo

Smögen…

mit viel Regen, viel Wind und noch mehr Party 😉

Nachdem ich gestern früh bereits gegen 6.00 Uhr vom zunehmenden Wind geweckt wurde, habe ich ziemlich schnell zugesehen das ich loskomme.

Denn bei viel Wind ( der in diesem Fall 90° von BB kam ) ist das Lösen der vorderen Leinen an den Schären nicht gerade einfach, nicht nur die Leinen auch die Schärennägel wollen gelöst werden und ebenso wie ich wieder mit an Bord 😉

Es geht jedoch alles gut und wir laufen aus der Bucht, direkten Kurs Richtung Smögen, durch den Sote – Kanal. Die mit 7,2m angegebene Brücke ist eine Klappbrücke die nach zwei langen und zwei kurzen Signalen prompt geöffnet wird. So kommt mein Nebelhorn mal so richtig zur Geltung 😉 Hinter dem Kanal jedoch stehen bis zu 3 Knoten Strömung aus südlicher Richtung und so habe ich beim Aufkreuzen das Gefühl nicht von der Stelle zu kommen. Je näher ich nach Smögen komme, desto heftiger die Strömung und ich überlege ernsthaft umzudrehen und das innere Fahrwasser zu nutzen. Nach fünf Stunden habe ich es dann endlich geschafft und wir laufen bei 29 Knoten Wind, gemeinsam mit der schwedischen SAR die einen Segler mit gebrochenen Mast schleppen,  ins Vorbecken von Smögen ein.

Glücklicher Weise hat Stefan mir noch einen Eintrag zu Smögen unter Kommentare eingestellt, in dem er auf Vertäuen vor Heckanker hinweist. Laut Gästhamnsguiden geht man in Smögen längsseits an die Pier, nichts desto trotz lege ich meinen Anker bereit und finde etwa in der Mitte der Prommenade einen Platz vor Heckanker. Bei dem starken Wind aus sw und der auch im Hafenbecken vorherrschenden Strömung nicht ganz einfach, wenn man allein an Bord ist… Wir werden jedoch durch einen lauten Knall am Bug von einem bereits vor Heckanker liegenden Motorboot gestoppt. Glücklicherweise nichts großes, lediglich hat meine Bugspitze einen Kratzer im Heck der Yacht hinterlassen. Der Eigner saß mit seiner Crew gerade beim Essen und alles was er sagte war ein sehr freundliches „Hej Hej“ , ansonsten keine Regung. Auf meine spätere Frage wie wir das regeln wollen sagte er „Is just a boat, lets have a beer together“

Die Schweden sind bei so etwas scheinbar entspannter als wir Deutschen. Das ganze zeigt sich auch beim Anlegen anderer Yachten, die sich teilweise nur bis zur Hälfte zwischen zwei Boote quetschen und mit ihrem Heck im Fahrwasser hängen… Wäre so in Deutschland nie möglich 😦

Smögen gefällt mir sehr gut, trotz des übervollen Hafens, des schlechten Wetters und des vielen Nass von oben, pulsiert das Leben auf der Prommenade. Die Läden sind rappelvoll, jeder scheint gut gelaunt und aus den unzähligen Booten klingt beste Partymukke.

Teilweise liegen die Schiffe in Fünferpäckchen vertäut an der Pier. Je später es wird, desto besser ist die Stimmung, desto lauter wird die Musik und desto mehr wird überall gefeiert.

Neben mir liegt Johan mit seiner Freundin Johanna und seinen Kumpels Otmar und Lars. Die Crew ist mit einer Smaragd auf den Weg durch die Westschären und nach einem kurzen Hej und einer Einladung zum Captains Drink fand ich mich dann ebenfalls an Bord der Smaragd wieder.

Als es dann gegen 0.30 Uhr etwas ruhiger wurde, sind wir in einen der angesagten Clubs hier in Smögen gegangen. Da Johan den Besitzer kennt war die lange Schlange vor der Tür ziemlich unproblematisch 😉 Auf drei Ebenen erstreckt sich das gut gefüllte innere des Clubs und erst gegen 4.00 Uhr liege ich in meiner Koje.

Heute früh habe ich dann erst einmal ausgiebig gefrühstückt und bei einem Spaziergang über die Klippen den Tiger aus meinem Kopf gelassen 😉

Übrigens das Schiff mit dem genialsten Namen auf meiner Reise lag heute früh auf der anderen Seite …

Vermutet man eigentlich eher an einem Motorboot ..

Jetzt werde ich mich mal an die weitere Planung der kommenden Tage machen. Ab morgen soll ein Hochdruckgebiet kommen und mal wieder besseres und hoffentlich auch beständigeres Wetter bringen.

Bis dahin fair winds und immer eine Handbreit……

jolågo und Ingo

up to Norway…

…und wieder zurück nach Schweden 😉

Der letzte Abend in Göteborg war noch ganz abwechslungsreich. Als ich vom Duschen gekommen bin sehe ich ein bekanntes Schiff, die Da Capo, im Hafen – es ist Hans !

Wir haben uns bereits in Motala im Götakanal kennen gelernt, als er mit einer gebrochenen Welle in der gleichen Werft lag, wo ich meinen Motor habe warten lassen. Von da an haben wir uns im Götakanal immer wieder getroffen und einige nette Gespräche geführt.

Hans hat leckeren, selbstgebrannten und auf 30% reduzierten Schnaps dabei und so haben wir den Abend genutzt und bei Seemannsgarn die verschiedenen Sorten verköstigt 😉

Mein Fazit zum Götakanal übrigens : Dieser Kanal lohnt sich in jedem Fall !

Es ist in keinster Weise ein Vergleich mit herkömmlichen Kanälen und durch die verschiedenen Landstriche, die vielen Seen, die unterschiedlichen Panoramen und dem mehr als freundlichen Personal äußerst abwechslungsreich ! Darüber hinaus erinnert der Kanal mich irgendwie an einen Freizeitpark… Zitat aus dem Prospekt : „Der Kanal ist täglich von 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet“

Die Seen sind ein Traum – einzig der Trollhätta Kanal ist sehr eintönig, nervig und sollte mit einem kleinen Außenborder nicht unbedingt von West nach Ost befahren werden, da hier stellenweise bis zu 2,5 Knoten Strom stehen…dessen sollte man sich beim Befahren des Götakanals bewusst sein !

Am Mittwoch habe ich dann bereits um 7.30 Uhr in Göteborg die Leinen losgeworfen und bin gen Norden, Strecke machen, vielleicht das letzte mal auf dieser Reise. Mein Ziel : Norwegen !

Es ist ein absolut herrlicher Segeltag. Bei sehr fairen, westlichen Winden um die 10 Knoten laufen wir stellenweise um die 6 Knoten Speed. Ein letztes mal auf dieser Reise sehe ich die wundervolle Schönheit der Mitternachtssonne vor uns und sehr intensiv geniesse ich die klare Luft und Helligkeit noch einmal sehr ausgiebig.

Gegen 3.30 Uhr mache ich in Sjærhalden ( Norwegen ) fest und verfalle, todmüde wie ich bin, in einen Tiefschlaf. Gegen 10.30 Uhr werde ich wach, denn es ist geniales Wetter und die Norweger spielen mit ihren Motorbooten wilde Sau im Hafenbecken…keine Chance weiterzuschlafen 😦 Landschaftlich ist Norwegen für mich das schönste aller skandinavischen Länder !

Und … – Norwegen ist das Zehnte und letzte Land auf meiner Reise !

Wehmut macht sich breit… denn gerne würde ich noch den restlichen Sommer hier oben, in Norwegen segeln ! Das muss einfach herrlich sein. Die schroffe Küste mit ihren hohen und felsigen Fjorden, die Leichtlebigkeit der Norweger und das gesamte Flair laden förmlich zum Bleiben ein ! Es überwiegt jedoch der Gedanke meine Frau und meine Kinder nach dieser langen Zeit endlich wieder in die Arme zu schliessen und daher werde ich mir Norwegen für die nächste Auszeit vormerken !!!

Nach einem ausgiebigen und äußerst leckeren Frühstück, bestehend aus den verschiedensten Sorten geräucherten Fisch, geräucherten Garnelen und geräuchertem Hummer lege ich gegen 13.00 Uhr ab und nehme Kurs Strömstad.

Norwegen, ich komme wieder – Vielleicht schon schneller als man glaubt…

Strömstad, die nordwestlichste Hafenstadt in Schweden und das heimliche Mekka der IF-Boot Segler. Denn hier hat Göran seine Marieholm Marina und arbeitet seit eh und je für diese wunderbaren Schiffe ! Grund genug ihm einen Besuch abzustatten und mir neben einiger Original Ersatzteile für IF-Boot Freunde und für mich, noch einige sehr wertvolle Tipps abzuholen.

Göran und ich sprechen fast zwei Stunden über IF-Boote und mit seinen rund 70 Jahren verfügt er über einen immensen Fundus an guten und sehr wertvollen Ratschlägen. Als er nach meiner Segelnummer fragt und ich 1744 antworte kam nach kurzer Überlegung – Hmmm das Schiff ist aber damals nach Schweden verkauft wurden. Korrekt, ich habe es vor zwei Jahren in Schweden gekauft. Mit sehr viel Liebe und alter schwedischer Bootsbaukunst arbeitet Göran heute alte IF-Boote wieder originalgetreu auf und verkauft diese dann für um die 30.000 €.

Rasmus lässt es in Strömstad wehen, mit 29 Knoten Wind, Gewitter und viel Regen ist mir nicht nach segeln zu Mute. Daher bleibe ich noch einen weiteren Tag in Strömstad und lerne Finn, einen Norweger kennen. Finn ist auch Einhandsegler und bereist seit über 10 Jahren mit seiner 28er Twister ( übrigens ein geniales Boot ) Nord- und Ostsee. Leider wird der Tag durch die aktuellen Geschehnisse in Oslo überschattet und so ist Finn ab dem Nachmittag mit seinen Gedanken verständlicher Weise in seiner Heimat !

Heute früh sah die Welt des Wetters leider nicht anders aus. Regen, Gewitter und eine Starkwindwarnung für den Skagerrak. Nach Abgleich der Wetterwelt Daten mit Windfinder und dem schwedischen Wetterdienst habe ich mich gegen 12.00 Uhr jedoch dazu entschlossen abzulegen. Mein Ziel ist Hamburgsundet, gut 25 NM Luftlinie entfernt. Lediglich 6 Meilen dieser Strecke führen über die offene See, der Rest verläuft im inneren Schärenfahrwasser und unterwegs sind mehrere Häfen direkt an unserem Weg. Sollte also klappen !

Wir kommen auch flott voran, bei östlichen Winden um die 21, in Böen 29 Knoten läuft jolågo mit mehr als 7 Knoten Speed Kurs Süd. Geniales segeln, lediglich dieser verdammte Regen nervt.

Gegen 15.00 Uhr dreht der Wind dann auf einmal von einer Sekunde auf die andere von Ost nach West. 180° ohne nachzulassen oder es anderweitig anzukündigen.So etwas habe ich noch nie erlebt. Beim Blick auf die anderen Segler sehe ich auch deren Verwunderung über dieses Phänomen. Kurz danach reisst der Himmel auf und im nu haben wir bestes Wetter. Strahlender Sonnenschein und Temperaturen von mehr als 30° machen die restliche Strecke zum reinsten Vergnügen.

Der Hamburgsund ist eine geniale Ecke und ich konnte mich an den vielen alten Fischerhäusern gar nicht sattsehen.

Genialer Weise befindet sich im Hamburgsund eine Tankstelle direkt am Fahrwasser und da ich beim Ablegen heute früh nur noch ein paar wenige Tropfen Sprit im Tank hatte, wird diese auch gleich angesteuert. Jonna, die Tankwärtin verrät mir das es im Süden vom Hamburgsund ein Fahrwasser gibt das in östliche Richtung zu einem Naturhafen führt. “ You have to go there, it´s a wonderful place“ Hmm, Hafentag hatte ich ja eh mehr als genug und so entscheide ich mich spontan für die kleine Ankerbucht.

Um 18.30 Uhr mache ich jolågo vor Heckanker und mit dem Bug an der kleinen Schäre Andh:na ( die heisst tatsächlich so ) in der Dannemark Bucht fest,

Pos. N 58°30,849´und E 11°15,898´

Morgen früh soll es dann für uns ins skandinavische St. Tropez, nach Smögen gehen .

Bis dahin schöne Ankerwache und keine heftigen Winde 😉

jolågo und Ingo

80 Meilen Süsswasserspülung…

…der Vänern, der drittgrößte See Europas, hat es in sich .

Nachdem ich mich von dem Schrecken mit meinem (kleinen) Schaden am Boot erholt habe, bin ich am 15.Juli die letzten 3,7 NM von Lyrestad nach Sjötorp gefahren. Es waren insgesamt drei Schleusen auf diesem Teilstück und ich habe im unteren, jedoch inneren Hafen von Sjötorp festgemacht. Erstmalig seit Beginn der Einfahrt in den Götakanal muss ich auf diesem letzten Stück wieder Schuhe tragen, da sich das Wetter verschlechtert hat 😦  Der Tag wird genutzt um das Schiff wieder seefest zu machen und alle Dinge in der Kajüte ordentlich zu verstauen. Der Vänern ist nicht ganz ohne und bei 8 m/s gibt es ein empfohlenes Auslaufverbot der Sjöräddning Sweden, da die Wellen auf diesem See aus allen Seiten, sehr kurzen Abständen und sehr steil kommen. Nicht ohne Grund liegen auf dem Grund des See´s mehr als 10.000 Wracks…

Die Strecke von Sjötorp nach Vänersborg ist 80 NM lang und es gibt nach ca. 35 NM mehrere kleine Häfen die sich hervorragend für einen Zwischenstop eignen. Ich entscheide mich Spiken als Ziel einzugeben und plane die Route.  Felseninseln und Schären, einsame Badefelsen, weitläufige Sandstrände, Flachs und Steine oder offenes Meer mit endlosem Horizont erfordern ein hohes Mass an Konzentration bei der Navigation, bieten jedoch auch ein brillantes Panorama.

Der Wind kommt von vorn, aus südwestlichen Richtungen und pustet mit satten 17 Knoten, was bedeutet das eine sehr lange Kreuz vor uns liegt. Meine neuen Segelfreunde aus Südafrika hatten die richtigen Worte : “ we planed to renamed our boat last year in windfinder… where ever we go the bow finds the wind…“ Nach der langen Kanalfahrt jedoch freue ich mich sehr auf diese Kreuz, denn IF-Boote laufen einfach genial auf am Wind Kursen. Daher entscheide ich mich gegen Nachmittag auch durchzusegeln und direkt Vänersborg anzulaufen. Zu meinem Glück hat Rasmus gegen Mitternacht etwas Nachsicht und der Wind geht zurück auf gute 10 Knoten und dreht auf südöstliche Richtung.

Kurz vor 4.00 Uhr morgens erreichen wir nach fast 19 stündiger Fahrt Vänersborg. Die Eisenbahnbrücke ist geschlossen und öffnet erst wieder gegen 9.00 Uhr, daher mache ich kurz im Hafen vor der Brücke fest und lege mich schlafen. Leider verschlafe ich meinen 8.00 Uhr Wecker und so komme ich erst gegen 10.30 Uhr weg, habe jedoch Glück und die Brücke öffnet. Eigentlich wollte ich den inneren Hafen von Vänersborg anlaufen und wegen der regnerischen Wetterprognose einen Tag hier bleiben. Da dieser jedoch nicht zum bleiben einlädt entscheide ich mich kurzer Hand weiter zu fahren.

Der Trollhätta Kanal zieht sich und hat nichts mehr von der Romantik des Götakanals, ist sehr langweilig und nervig, insbesondere die vielen Brücken zu Beginn des Kanals öffnen lediglich zu bestimmten Zeiten. Daher kann es passieren, dass man zwischen zwei Brücken die 500 m Luftline von einander entfern liegen bis zu einer Stunde Wartezeit hat… Zu allem Übel hält die Wetterprognose was versprochen wurde und es beginnt zu regnen. Kein leichter Landregen oder kurzer Regenschauer, nein ein richtiger, satter Regen…

Todmüde, völlig durchnässt und mit viel Wind und 19,8 NM im Kielwasser erreichen wir gegen 17.00 Uhr den kleinen Hafen von Lilla Edet. Ein hässlicher Hafen, ohne Strom oder sonstige großartige Versorgung… Egal für eine Nacht geht das !

Der nächste Morgen ruft nicht gerade nach ausschlafen, geschweige denn noch länger in diesem Hafen von Lilla Edet zu bleiben und so schmeisse ich um 7.45 die Leinen los und gehe in die letzte Schleuse – Kurs Göteborg.

Der Kanal zieht sich und führt unentwegt an unzähligen Wegmarken vorbei

Man beachte das BSH konforme Leuchtfeuer 😉

Gut 10 NM vor Göteborg ändert der Kanal sein Bild. An Steuerbord ist auf Höhe Kungsläv eine wunderschöne, alte Burg zu sehen

Danach erinnert der Kanal sehr an die Trave, Industrie auf beiden Seiten und abwechselnd immer wieder grüne Bereiche.

Das Ortseingangsschild von Göteborg ist unverkennbar,

leider verfügt IKEA hier nicht über einen Bootsanleger, ansonsten hätte ich mir erstmal einen Hot Dog genehmigt 😉

Die Wartezeit vor den letzten beiden Brücken war nicht mehr so lang und wir erreichen gegen 14.30 Uhr den überwiegend von norwegischen Motoryachten dominierten Stadthafen Lilla Bommen in Göteborg.

50 Fuss sind hier keine Seltenheit und mit Hilfe dreier Norweger findet sich ein ausreichend dimensionierter Platz für die jolågo…

Das erste mal seit Begegnung mit meinen russischen Freunden in Turku wartet neben der Hilfe beim Anlegen auch noch ein Anlegebier auf mich 😉

Göteborg gefällt mir sehr gut. Im Vergleich zu Stockholm scheinen die Menschen hier weitaus aufgeschlossener und viel offener zu sein. Das Wetter bessert sich ebenfalls und ich schlafe erst einmal richtig aus.

Heute Nachmittag werde ich dann mal wieder einige Lebensmittel einkaufen und die Tourenplanung für die nächste Etappe vornehmen.

Bis dahin Schoten dicht und fair winds

jolågo und Ingo

PS. Wegen der Unattraktivität der Strecke gibt es keine weiteren Bilder !

 

Skadeanmälan Göta Kanalbolag…

…oder auf deutsch : Schadenmeldung der Götakanal Gesellschaft.

8.45 Uhr, wir machen uns auf den Weg Richtung Sjötorp, dem Ausgang des Götakanal.

Um 9.00 Uhr öffnet die Brücke und es geht in den Kanal. Der Kanal verändert ab hier sein Gesicht. Es wird etwas unattraktiver und ich bin sehr froh, dass wir diese Nacht in Vassbacken waren denn die kommenden Häfen gefallen mir nicht so richtig.

Einzig, die kleinste Handbetriebene Seilfähre Schwedens ist eine willkommene Abwechslung.

Das hinunter schleusen ist super einfach. Es werden die vordere und die achtere Leine am Pier fixiert und man lässt beide Leinen dann langsam durch die Hände gleiten. Es geht auch unheimlich schnell und daher kommen wir in den Schleusen sehr gut voran. Lediglich die Brücken nerven heute etwas. An der Eisenbahnbrücke von Töreboda warten wir eine geschlagene Stunde 😦

Aber Geduld lernt man, wenn nirgendwo anders, in jedem Fall hier im Kanal.

Gegen 13.00 Uhr erreichen wir die Schleusentreppe bei Riksberg und ausgerechnet in der letzten der vier Kammern passiert es 😦

Meine Vorleine verklemmt sich in einem Stück Mauerfuge, welches nicht mehr mit Mörtel gefüllt ist und hat die Funktion eines Clamceat. Im nu hängt der Bug gut 50 – 70 cm in der Luft und nach einem sehr lauten STOP von mir und der anschliessenden, ebenfalls sehr lauten UP, UUUUPPP Rufe füllte sich das Becken wieder.

Fazit : Die Klampe hat gehalten, zum Glück ! Es sind zwar einige Haarrisse im Gelcoat an Deck entstanden aber das bekommt man im Winter wieder hin. Der Bugkorb an Stb. ist verbogen und das Gelcoat an der vorderen Stb. Seite hat einige Kratzer.

Der Schleusenwärter hat sofort die Kanalgesellschaft informiert und im nu kam Carl mit seinem Trecker angerauscht… Er mäht das Gras am Rande des Kanals um die Radwege schön frei zu halten, ist zuständig wenn mal ein Schleusentor klemmt und nimmt sämtliche Schäden auf.

Das ganze geht sehr schnell und professionell von statten. „We have a lot of damage in the summer“ so sein kurzer Kommentar… Nach einigen Fotos, ausgefüllten Papieren und freundliches schönen Tag wünschen kann es weitergehen. Ich informiere zur Sicherheit noch meine Versicherung und schildere den Vorfall.

Der Schrecken sitz tief und ich entscheide mich Sjötorp für heute zu streichen und lieber in Lynestad festzumachen. Wir erreichen Lynetad um 16.30 Uhr und ich erhole mich so langsam von meinem Schrecken…

Neben mir liegen übrigens zwei Briten mit einer Contessa 32, sie sind seit einem Jahr unterwegs und zwar nicht ab UK sondern von ihrem Wohnort –  Capetown South Africa…

Bis dahin erstmal schön Leinen fieren und drauf achten das sie nicht klemmen 😉

Die beiden leidenden

jolågo und Ingo

91,8 m über dem Meeresspiegel…

… der höchste Punkt im Götakanal.

Gestern wurde noch ein Hafentag in Motala eingelegt denn es war mit 27 Knoten aus südwestlicher Richtung ziemlich windig und ungemütlich. Daher habe ich den Tag genutzt  und das von Irene und Knut geborgte Buch „Die Tote im Götakanal“ von Wahlöö – Sjöwall gelesen und anschliessend ein wenig Hafenkino geschaut.. 😉

Am Abend wurde gegrillt und irgendwie meinten es die Schweden mit ihrem Steak ziemlich gut, jedenfalls hatten wir große Mühe das gute Stück auf meinen Grill zu bekommen.

Zum Trinken sollte es einen leckeren Merlot geben den ich besorgt hatte. Nachdem wir angestossen hatten schauten wir uns sehr stutzig an denn der Wein schmeckte wie Traubensaft… Und siehe da, alkoholfreier Merlot. Naja, zum Glück hatten wir noch eine kleine Bierreserve und das schwedische Blå schmeckt ziemlich lecker.

Den krönenden Abschluß des Abends gab es dann von der Juno, dem ältesten Passagierschiff der Welt. Gegen 21.30 Uhr kündigte sie dreimal und ziemlich laut ihre Ankunft im Hafen von Motala an !

Heute früh habe ich dann um 8.00 Uhr die Leinen los geworfen und bin raus, auf den Vätternsee. Mein erstes Ziel war Vadstena, lediglich 5 NM südwestlich von Motala entfernt. Es ist gutes Segelwetter, der Wind weht mit 6 Knoten aus nordöstlicher Richtung und schiebt uns bis vor die Hafeneinfahrt von Vadstena.

Vadstena lohnt, eigentlich auch zum länger bleiben, denn man liegt direkt im Schlossgraben der alten Burg, unmittelbar an der Schlossmauer. Eine sehr tolle Atmosphäre.

Wir bleiben jedoch nicht hier liegen, denn von Freitag bis Sonntag soll ziemlich schlechtes Wetter kommen und da möchte ich gern in Sjötorp oder Töreboda liegen… Daher führt mein weiterer Weg durch den Vättern, Kurs Karlsborg. Unmittelbar vor Karlsborg berge ich die Segel und schmeisse den Motor an, denn hier geht es erneut in den Kanal. Um 14.30 Uhr schleusen wir in Forsvik, zum letzten mal im Götakanal geht es nach oben. Der Schleusenhub dieser Schleuse beträgt knapp drei Meter. Viel faszinierender jedoch ist das Gemäuer dieser Schleuse. Es ist komplett in den Granit gesprengt und an der Steuerbordseite ziemlich uneben.

Nachdem wir die Schleuse verlassen habe geht es in den Vikensee. Die Landschaft hier oben ist das schönste was ich auf meiner Tour von Schweden gesehen habe! Jetzt sehe und verstehe, rieche und fühle ich es, was die Segler beim schwärmen vom Götakanal meinen . Die dichten Wälder reichen bis unmittelbar an die Uferlinien und versprühen einen wohlriechenden Duft nach Tannengewächs und Birke.

Es erinnert sehr stark an die Landschaft im Norden des bottnischen Meerbusen und am liebsten würde ich eine ganze Woche in den zahlreichen Ankerbuchten festmachen und die kleinen Inseln und die unberührte Natur erkunden. Es ist einfach herrlich und ich überlege auf Norwegen zu verzichten und mehr Zeit in dieser landschaftlich einmaligen Einöde zu verbringen.

Auf halber Strecke nach Tåtorp, der erneuten Einfahrt in den Götakanal müssen wir an einer Strassenbrücke mitten in dieser herrlichen Einöde halt machen. Eine geschlagene halbe Stunde und lediglich ein Fahrzeug das die Brücke quert warten wir bis das Signal zur Weiterfahrt ertönt und zu sehen ist.

Für einen Moment überlege ich die Nacht hier zu verbringen denn man hört neben der Stille lediglich einige Vögel zwitschern und das Rascheln der Tiere im gegenüberliegenden Wald. Eine herrliche Atmosphäre !

In Tåtorp geht es erstmalig wieder abwärts, wenn auch nur 20 cm und in Gedanken bleibe ich bei der Idee wieder umzukehren und einige Zeit im Vikensee zu verbringen. Heute Abend habe ich erst einmal im Hafen von Vassbacken festgemacht und liege direkt an einer Wiese, gegenüber vom eigentlichen Gästehafen.

Schoten dicht und Handbreit

jolågo und Ingo

neun Meilen, sieben Schleusen, vier Brücken und eine Grabstätte…

… und zwar die von Baltzar von Platen, dem Erbauer des Götakanal, der übrigens aus Dornhof bei Schaprode ( Rügen) stammt.

Wir sind in Motala, am wunderbaren Vätternsee, auf 88,5 m über dem Meeresspiegel.

Der See ist mit einer Fläche von ca. 1912 km² und einer Tiefe von über 100 m das zweitgrößte Binnengewässer in Schweden.

Nachdem wir gestern früh abgelegt hatten, führte unser Weg als erstes 6 NM über den Borensee bis zur Schleusentreppe von Borenschulte. Hier haben wir uns in die Warteschlange der anderen Segler eingereiht und  uns die Wartezeit bei etwas Smalltalk mit den Crews verkürzt. Dabei stelle ich fest, dass ich mit meinen gegenwärtig drei Monaten Ostsee nicht den längsten Törn inne halte 😉 Ein vor mir liegender Holländer ist mit einem Freund seit 3 Jahren auf der Ostsee unterwegs und macht sich jetzt langsam auf den Weg zurück…

Es ist unbeschreiblich, welche Schönheit und welchen Abwechslungsreichtum der Götakanal zu bieten hat. Immer wieder ändern sich die Landschaften um den Kanal und auch der Kanal an sich verändert ständig seine Breite und die Farben seines Wassers. Nach der Schleusentreppe mit fünf Kammern geht es vorbei an der Grabstätte von Baltzar von Platen. Dem Erbauer des Götakanals wurde hier in Motala die letzte Ruhestätte errichtet. Brücken für Autos, Fahrräder und Fußgänger säumen den Weg des Kanals und werden unmittelbar nach Ankunft eines Schiffes geöffnet. Das ganze wirkt wie in einem Spielzeugland und ich warte ständig darauf, dass mich jemand weckt 😉

Wir erreichen Motala gegen 15.30 Uhr und ich beschliesse den Hafen zu nutzen um meinen Motor prüfen zu lassen und einer Inspektion zu unterziehen, die Stadt ausgiebig zu erkunden und dem berühmten Technikmuseum einen Besuch abzustatten.

Gleiches haben auch weitere deutsche Yachten vor… Neben mir liegt eine Biga 24 mit einer gebrochenen Welle, eine Hanse 400 mit einem Kupplungsproblem und ein Eigenbau Typ Weltumsegler mit einem gerissenen Boutenzug. Der Werftbesitzer ist sehr rührig und allen Vorurteilen zum Trotz wird allen Seglern asap geholfen.

Das Wasser hier im Hafen ist gut 4 m tief ( siehe Foto ) und so tue ich es den Schweden gleich und nutze den Vormittag um das kühle Nass zu geniessen. Nach gut 4 Stunden bekomme ich einen Anruf und die Werft liefert mir den Motor. Alles ist wieder perfekt. Durch den etwas größeren Filter war zuviel Kraftstoff in die Brennkammer gelaufen, dadurch waren die Abgaswolken beim Start immer etwas dunkel 😦

Morgen werde ich dann den Vättern erkunden und eventuell vor einer der vielen Inseln ankern, bevor es erneut bei Karlsborg in den Kanal geht.

Bis dahin Schoten dicht und Sonnencreme nicht vergessen 😉

jolågo und Ingo

PS. aktuelle Fotos gehen gleich online

ein Gin Tonic pro Schleuse…

…nicht mit mir. Allerdings sieht die Dänische Crew neben mir das ganz anders 😉

Es ist kurz vor 10.00 Uhr und gemeinsam mit der Godewind aus Berlin mache ich mich auf den Weg nach Linköping. Im Götakanal ist alles etwas anders und so beginnt der Tag mit warten in der ersten Schleuse. Die Eisenbahnbrücke von Norsholm wird nur nach Freigabe durch die hiesige Bahngesellschaft und zu jeder vollen Stunde geöffnet. Es ist jedoch sehr witzig, wir haben eine schwedische Familie neben uns und klönen gut 20 Minuten über IF Boote …

Es ist lediglich eine Strassenbrücke, eine Eisenbahnbrücke und dazwischen eine Schleuse mit einem einem nur 80 cm hohen Hub, bevor wir in den Roxen einlaufen. Der Roxen ist ein wundervoller See mit mehreren Inseln und einem excellent ausgewiesenen Fahrwasser.

Leider ist es völlig windstill und es beginnt sich furchtbar zu beziehen, daher ist an baden heute nicht zu denken. Es geht Richtung Linköping. Die Stadt liegt im südlichen Bereich des Roxen und ca. 3 NM vom eigentlichen Fahrwasser entfernt. Ein sehr schmales Fahrwasser läuft durch die Vorgärten der Linköpinger, vorbei an einem Segelclub wo der Nachwuchs mit Optis am üben ist und hindurch, durch Wiesen, Gräser und unberührte Natur wo es von Mücken nur so summt und brummt.

Der Hafen ist leider nicht das was wir uns erhofft haben, er gehört auch nicht zu den offiziellen Götakanal Häfen. Kein Strom, unattraktive Steganlagen und weit und breit nichts in Sicht, was nach Dusche oder Toilette aussieht… Daher wenden wir im Hafenbecken und fahren weiter Richtung Berg. Berg ist ein kleiner Ort, der direkt an einer Schleusentreppe mit sieben Kammern liegt und über einen Hafen im unteren Bereich, im Roxen, und ein Hafenbecken im oberen Bereich verfügt. Auf dem Weg nach Berg holt uns ein Unwetter ein und es beginnt unmittelbar vor dem Hafen in strömen zu regnen.

Nach dem Regen kommt Wind und in kürzester Zeit baut sich im unteren Hafenbecken eine ziemliche Welle auf. Daher entscheide ich mich mit der vorletzten Schleusung um 17.00 Uhr die sieben Kammern zu durchschleusen und die Nacht im oberen Hafenbecken zu verbringen. Irene und Knut entscheiden sich die Nacht unten zu verbringen, Knut bietet mir jedoch seine Hilfe bei der bevorstehenden Schleusung an. Natürlich nehme ich diese gern an und lerne noch einiges, denn durch mehrere Fahrten von Berlin an die Ostsee und innerhalb Berlins ist er ein erfahrener Schleusengänger.

Gemeinsam mit mir geht die Lena in die Schleusentreppe, eine Sun Odyssey 34.2, deren Crew ich bereits in Mem kennen gelernt habe. Tradition auf der Lena ist ein Gin Tonic auf Eis und mit einer Scheibe Limone… und das pro Schleuse. Da wir direkt nebeneinander liegen komme ich also nicht drum herum 😉 Überhaupt ist an Bord der Lena gute Stimmung, in den Schleusen werden die Zuschauer mit guter Musik und gymnastischen Showeinlagen unterhalten.

Da die Schleusen im Götakanal pünktlich um 18.00 Uhr schliessen geben die Schleusenwärter in den letzten beiden Kammern richtig Gas und das Schleusen erinnert mehr an sailboat- bzw. IF Boot Rafting als an einen herkömmlichen Schleusengang…

Eine gute Stunde später ist es geschafft und ich liege bei bestem Wetter im oberen Hafen von Berg. Neben mir liegt erneut die Crew der Lena und so wird der Abend sehr lang, sehr lustig und feucht fröhlich.

Heute früh bin ich um kurz nach halb zehn los und hatte erst einmal gut eine halbe Stunde Wartezeit an der ersten Schleuse… Vor mir liegt die Sponty, ein Schiff aus Neustadt und der Eigner, Helmut, schnackt mich auf meine Fahne am Vorstag an.

Dort hängt seit Anbeginn der Einfahrt in den Götakanal die Fahne meiner Heimatgemeinde. Der fleissige Leser kennt mit Sicherheit mein Interview mit der lokalen Zeitung Travemünde Aktuell, in dem ich mich im Herzen Travemünde zugehörig geäußert habe. Das wollte unser Bürgermeister wohl nicht so stehen lassen und über meine Frau hat Thomas mir ein Geschenk von ihm überreicht. Der Inhalt : Die Fahne meiner Heimatgemeinde Ratekau !

Helmut fragt mich doch tatsächlich mitten im Götakanal aus welchem Ort der Gemeinde Ratekau  ich komme. Als ich mit Warnsdorf antworte sagt er kenne ich, da habe ich jahrelang einen Kunden gehabt. Die Welt ist klein und Helmut, ehemaliger Vertriebsmitarbeiter für Schmierstoffe, kennt ausgerechnet den Dorfschmied unserer 398 Seelenortschaft. Viel besser ist das er vor mir liegt und ich somit beim Einlaufen in die Schleusen auf die Hilfe seiner Frau zählen kann.

Der vor uns liegende, gut 12 NM lange Weg ist wunderschön. Es geht erneut über Felder, saftige und herrlich duftende Wiesen, eine Brücke über die Autobahn, Schafe, Kühe, Pferde stehen am Wegesrand des sehr schmalen Kanals. Alles wirkt sehr friedlich, äußerst gepflegt und es ist absolut atemberaubend, als wir an einer Stelle einen See weit unter uns sehen und mir der Höhenunterschied so richtig bewusst wird. Das beste am heutigen Tage war mein Lieblingsgetreide, Raps, in voller Blüte zu sehen und das im Juli…

Nach sieben Schleusen, davon eine handbetriebene und sieben Brücken, einem kurzen Stop mit jolågo gegen 16.00 Uhr vor dem berühmten Göta Hotel, liegen wir jetzt in Borensberg auf 73,2 m Höhe über normal Null.

Morgen geht es über den Borensee nach Motala, das bedeutet segeln, wenn auch nur 7 NM… aber evtl. ist der ein oder andere Abstecher auf dem See drin 😉

Alle Fotos der letzten Etappen übrigens seit heute Nachmittag online.

Schoten dicht und Handbreit

jolågo und Ingo